Stadtkultur Lienz

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Wandzeitung

Mathias Klammer: Leblose Erinnerungen


Leblose Erinnerungen

Wenn sie die Farbe in die Hand nahm, mit dem getränkten Pinsel über die Leinwand fuhr, war sie glücklich. Oft erzählte sie mir von Begegnungen, skurril, einmalig. Von kurzen Liebeleien, mit Männern, groß, kantig, die sie nie mehr wieder gesehen hatte, in ihrem langen Leben. Sie lachte verschämt, wenn sie mit ihren Geschichten begann, die schon lange vorbei, trotzdem noch nah waren, in ihren Worten, Sätzen.

Ich merkte ihr an, dass ihr Körper schmerzte, jede einzelne Bewegung weh tat, doch sie ließ sich nicht davon brechen, machte weiter, sprach, erzählte, lebte.

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Gebhard Valtiner: schlösser

schlösser

schlösser mag ich gar nicht gerne
schlösser schließen aus die ferne
knechten mir den stein zu formen
als wärs dem drinnen raumgeboren

schlösser sind der tür gelenken
draußendrinnen billigts denken
schätze hüten vor dem dieb
aber sonst sind schlösser lieb

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Peter Stan: Einmal Friedhof und zurück

Die Katherina, (77 Jahre), ist im Terminus der Validation das, was man eine „Mangelhafte“ nennt. Soll heißen, sie hat eine leichte Demenz und ist sich dieser Tatsache noch bewusst. Daher überspielt sie gewisse Erinnerungslücken meisterhaft und beharrt stur auf ihrem Standpunkt. Das führt manchmal zu Situationen, die von uns viel Geduld erfordern, um ihre Gefühle nicht zu verletzen und das Spiel mitzumachen.

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H.G.Kastner: Nachthimmel

Hefte deine Träume und Sehnsüchte
an die schwarze Tafel des Nachthimmels,
zu den Botschaften und Zeichen in Sternenschrift,
den Chiffren der Unendlichkeit.
In der Wiedergeburt der Gedanken
liegt die Chance ihrer Erfüllung,
denn die aufsteigenden Strahlen der Sonne
löschen die Tafel - nicht ohne Hoffnung -
allmorgendlich aus.

H.G.Kastner

   

Josef Pedarnig: Schattenspringen

Vom Orbit aus gesehen, der sich imaginär durch das All zieht, den schwarzen Kontinent im Sucher, wie er sich so gar nicht vorstellungsgemäß schwarz darbietet,  von dort aus also und bei rechtem Vergrößerungslicht besehen ist Der Weiße Mann auf dem den afrikanischen Kontinent mitten durchschneidenden imaginären Kreis, der auf den Namen Äquator gekommen ist, genau um Mittag 12 Uhr und keine Sekunde später ein ‚Was’?

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Bernhard Aichner: Tödling

Wenn das Herz wirklich etwas mit Liebe zu tun hat, wenn es wirklich mehr ist als eine Pumpe, wenn es nicht nur ein rotes Stück Fleisch ist, dann ist es mir kaputt gegangen, auseinandergeplatzt, dann hat es aufgehört da zu sein, ich spüre es nicht mehr, ich habe es nie gespürt, aber ich atme. Da, wo es einmal war, ist es jetzt kalt. Da ist nichts. Es ist weg. Nicht mehr da. Ich habe kein Herz mehr.

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Heli Gander: reise zum achten kontinent

tag 1

aufbruch

nachdem die letzten medizinischen tests erfolgreich abgeschlossen sind, verlassen wir die quarantäne und treffen uns ein letztes mal im expeditionsbüro um den abschluss-check und die vorläufige reiseroute festzulegen.
elmar meint noch, ich könne die vier rollen verzinkten stacheldraht ruhig aus der ladung ausmustern, dafür aber mehr glasperlen, fingerhüte, gummibärchen und knopflochseide dazupacken, weil wir am achten kontinent sicher keine befestigten lager errichten müssten, wenn wir biwakieren.

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Eckehard Bichler: Jänner

Das Weihnachtslicht ist lang vergangen
und dunkel liegt dein neues Jahr,
doch schau,
die Sonn´ steht höher schon am Himmel
und länger wird der Tag.

Und sieh,
von weißen Dächern taut tropfend schon der Schnee
und Frühjahrsdüfte liegen in der Luft,
nun hab Geduld,
schon bald wird hell dein neues Jahr

 

Eckehard Bichler

   

Eckehard Bichler: Die kalten Kastanien

Allerheiligen ist wieder geworden, das Fest für die Toten,
mein liebstes Fest einst im Jahrkreis der Feste, als Kind,
ein frohes Fest,

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Eckehard Bichler: Adventsehnsucht

Still liegt das Feld, von schwerem Schnee kalt bedeckt,
Frost überall und Kälte im Herzen, das alt geworden über die Jahre,
die Bäume strecken die kahlen Äste zum Himmel
zur kraftlosen Sonne, die bald schon vergeht;
Nacht ist geworden und Schwärze legt sich über das Land,
bis ein kleiner Stern ganz leise und blass mir den Weg in die Heimat zeigt,
und weit wird das Herz und gnädige Wärme umgibt es.

Eckehard Bichler

   

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