Beiträge der virtuellen Wandzeitung

Eckehard Bichler: Der Schutzengel

Das kleine Mädchen will heute ein Haus für die Zwerge bauen. Es will das Haus am Teich bauen; die Zwerge haben dem Mädchen oft gesagt, dass sie es gerne dort beim Teich hätten.

Eifrig sammelt das Mädchen Zweige und Hölzer und trägt alles am Ufer zusammen.
Der Teich ist groß und tief.
Bald hat das Mädchen das nötige Rüstzeug und beginnt, das Haus aufzubauen. Es wird nicht groß werden, weil Zwerge klein sind.
Moos fehlt noch, für das Dach.
Steinchen fehlen, für den Vorgarten.
Alles wird gesammelt.
Gewitter braut sich zusammen, weil schwüler Sommer ist.
Blumen fehlen noch.
Das Mädchen holt Blumen.
Es fehlt nichts mehr. Das Mädchen ist stolz auf sein Werk. Es tritt zurück an den Rand des Teiches.
Blitze zucken auf. Das Mädchen hat Angst vor Gewittern. Donner grollen laut und nah.
Schnell heim!
Da kommt verstörte Panikangst und weiß die gute Richtung nicht.
Der Schutzengel hat gewartet. Er steht hinter dem großen Baum nahe dem Teich.
Der Schutzengel hält das Mädchen und weist ihm die gute Richtung. Es fällt nicht in den großen, tiefen Teich.

Das Mädchen erzählt den Eltern vom Bau des Zwergenhauses mit dem kleinen Vorgarten drüben am Teich, in den wäre ich um ein Haar gefallen, wenn ich nicht so gut Acht gegeben hätte.

„Das hast Du aber einen guten Schutzengel gehabt!“
„Ach was, Schutzengel gibt’s ja gar nicht!“

Der Schutzengel steht hinter dem Mädchen und hört alles.


Das Mädchen ist groß geworden.

Die Zwerge hat es nicht mehr im Sinn, das kleine Häuschen ist lange vergangen.

Alleine klettert es am großen Felsen, den Abgrund unter ihm, hat keine Angst. Das Mädchen liebt es, alleine auf große Berge zu steigen

Gewitter braut sich zusammen, weil schwüler Sommer ist.
Das Mädchen hat keine Angst.
Blitze zucken, Donner grollen.
Dunkelheit kommt und der Berg wird verschwommen und verliert den Weg.

Da ist verstörte Angst und weiß
die gute Richtung nicht.

Der Schutzengel ist schon lange da. Er hilft, den gefährlichen Steig zu verlassen und weist die gute Richtung.

Sicherheit.

Das Mädchen kommt beim letzten tiefen Abgrund vorbei.

Der Engel stößt das Mädchen in den tiefen Abgrund.

Eckehard Bichler 2006